Ein Interview mit dem Autor Peter Freund von Michael
Borlik..

© by Peter Freund
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Laura und das
Siegel der Sieben Monde
Peter Freund
Fantasy-Roman
Ehrenwirth Verlag
ISBN 3431035620
ca. 512 Seiten, Hardcover
18,00 Euro
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Michael Borlik: Lieber
Herr Freund, würden Sie uns zunächst bitte etwas über sich
erzählen.
Peter Freund: Für die, die das Berufliche interessiert: Seit mehr als zwanzig
Jahren arbeite ich im Kino- und TV-Bereich und habe dabei die verschiedensten
Funktionen begleitet, angefangen vom Kino-Manager bis hin zum Chef eines Filmverleihs.
Seit mehr als zehn Jahren bin ich als TV-Producer tätig und war für
zahlreiche Fernsehfilme- und –serien verantwortlich, häufig auch als
Autor. Meine aktuelle Produktion ist die ZDF-Serie „Sabine!“, die
noch bis zum 9.März jeden Dienstag um 19:25 Uhr zu sehen ist. Und über
den „privaten“ Peter Freund nur soviel: ich lebe und arbeite in Berlin,
bin verheiratet und habe zwei – inzwischen erwachsene – Söhne.
Michael Borlik: Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit als Autor
und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Peter Freund: Den Wunsch zu schreiben habe ich schon sehr früh verspürt,
auch wenn ich ihm so richtig erst nach meinem Studium nachgekommen bin. Seitdem
habe ich – in und neben meinen verschiedenen Tätigkeiten – auf
die eine oder andere Weise immer geschrieben. Dabei ist es mir natürlich
nicht anders ergangen als vielen anderen Autoren auch: anfangs hat es vornehmlich
Absagen gehagelt. Dass ich mich davon nicht habe ermutigen lassen, wundert mich
manchmal noch heute. Nach der 100. Absage habe ich allerdings doch eine Konsequenz
gezogen: ich habe beschlossen, die Absagen nicht mehr zu archivieren, sondern
sie zukünftig schlichtweg in den Mülleimer zu schmeißen. Das
habe ich dann auch gemacht, bis aus den Absagen schließlich Zusagen wurden.
Übrigens: der erste Artikel, für den ich jemals Honorar bekommen habe, war
ein Bericht über die Geburt meines ersten Sohnes, der vom Berliner „Tagesspiegel“ in
der Weihnachtsausgabe auf einer ganzen Seite abgedruckt wurde.
Und was die Bedeutung des Schreibens angeht - Hildegard Knef hat das einmal sehr
hübsch mit dem folgenden Satz erklärt: „Schreiben ist das Fegefeuer – aber
Nichtschreiben die Hölle!“ Was nichts anderes bedeutet als: Schreiben
ist verdammt schwierig und anstrengend – aber wer erst einmal richtig damit
angefangen hat, kann einfach nicht mehr davon lassen! Jedenfalls ergeht es mir
so.
Michael Borlik: Gibt es Vorbilder, die Sie in Ihrem Schreiben
beeinflusst haben?
Peter Freund: Schon als Kind habe ich sehr viel gelesen und das auch bis zum
heutigen Tage so gehalten. Sicherlich hat das Spuren bei mir hinterlassen, auch
wenn ich kein konkretes Autoren-Vorbild benennen könnte. Was mein Schreiben
allerdings sehr stark beeinflusst haben dürfte, ist die Filmdramaturgie
und meine Tätigkeit als Drehbuchautor. Beim Drehbuchschreiben geht es nämlich
darum, die Zuschauer möglichst schnell zu „packen“, d.h. für
einen Stoff zu interessieren, und sie dann immer wieder mit neuen, überraschenden
Wendungen und Entwicklungen bei der Stange zu halten und ihnen möglichst
keine „Luft zum Atmen“ zu geben. Genau das habe ich bei den Laura-Büchern
versucht – und die überwältigende Mehrzahl der Leser bestätigt
mir auch immer wieder, dass die Bücher so spannend sind, dass sie sie gar
nicht mehr aus der Hand legen können, bis sie zu Ende gelesen haben. Es
ist sogar schon vorgekommen, dass Leser so gefesselt waren, dass sie es versäumt
haben, an der richtigen Haltestelle auszusteigen – was nur für die
Bücher spricht, wie ich finde.
Michael Borlik: Im September 2003 ist Ihr Buch „Laura
und das Geheimnis der Sieben Monde“ erschienen. Es handelt sich dabei um
die Fortsetzung des erfolgreichen Romans „Laura und das Geheimnis von Aventerra“.
Die Hauptperson in beiden Büchern ist das Mädchen Laura Leander. Aber
wer ist sie?
Peter Freund: Das ist eine gute Frage – die mir auch immer wieder gestellt
wird. Also – ein konkretes „lebendes“ Vorbild für die
Laura gibt es nicht, auch wenn mir viele meiner Leserinnen immer wieder schreiben,
sie seien genauso oder so ähnlich wie die Laura und würden sich in
ihr wiedererkennen. Nein, die Figur ist einzig und alleine meiner Fantasie entsprungen.
Mit der Laura wollte ich eine Heldin schaffen, die im Grunde genommen ganz „normal“ ist
und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat wie viele ihrer Altersgenossinnen
auch. Laura ist deshalb – ebenso wie die Leser – mehr als überrascht,
als sie erfährt, dass sie über ganz besondere Fähigkeiten verfügt,
und diese auch trainieren und üben muss, weil eine große, fast übermächtige
Aufgabe auf sie wartet. Schließlich ist es ja keine Kleinigkeit, die Welt
retten zu müssen – und schon gar nicht für ein dreizehnjähriges
Mädchen!
Michael Borlik: Was glauben Sie, ist das Besondere an
Laura und ihren Abenteuern, das sie bei den Lesern so beliebt macht?
Peter Freund: Das Besondere an Laura ist sicherlich, dass sie so „normal“ ist – was
es jedem Leser, ganz egal ob jung oder älter, weiblich oder männlich,
ermöglicht, sich an ihre Stelle zu versetzen. Laura kommt mitten aus unserer
Realität – und muss sich dann in einem fantastischen Umfeld behaupten.
Hinzu kommt, dass dieser Laura nichts in den Schoß fällt, sondern
dass sie sich alles selbst erkämpfen, sich verdammt anstrengen und immer
wieder großen Mut beweisen muss, um ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen.
Auch das macht es für die Leser leichter, ihre spannenden Geschichten nachzuvollziehen,
denn ihnen ergeht es ja ähnlich. Natürlich erlebt nicht jeder so aufregende
Abenteuer wie die Laura, aber letztendlich muss auch jeder von uns sich jeden
Tag aufs Neue anstrengen, um die Anforderungen, die das tägliche Leben mit
sich bringt - sei es in der Schule, im Job, in der Familie, oder sonst wo -,
zu meistern und zu bewältigen.
Michael Borlik: Wie erleben Sie als Autor die Abenteuer
von Laura Leander? Fiebern Sie beim Scheiben mit Ihrer Heldin, wenn sie in eine
gefährliche Situation gerät bzw. freuen Sie sich, wenn ihr Gutes widerfährt?
Peter Freund: Genau so ist es - ich bin beim Schreiben immer mittendrin im Geschehen!
Auch wenn ich die Geschichten natürlich vorher bis in die Einzelheiten konzipiere,
fiebere ich immer wieder mit der Laura mit. Wobei ich es mir natürlich nicht
verkneifen kann, so „fies“ wie möglich zu ihr zu sein. Deshalb
freue ich mich immer wieder ganz diebisch, wenn mir etwas einfällt, was
ihr das Leben verdammt schwer macht, oder wenn ich sie in Situationen hinein
manövrieren kann, aus denen es eigentlich keinen Ausweg mehr gibt. Gott
sei Dank ist mir bislang immer noch eine Lösung eingefallen, sodass ich
dann aufatmen konnte, wenn Laura wider allem Erwarten den Dunklen dann doch noch
entkommen konnte.
Andererseits habe ich mich, bei stark anrührenden oder emotionalen Momenten,
auch schon dabei ertappt, dass mir beim Schreiben die Tränen kamen – was
ich als gutes Zeichen werte, denn wenn mich als Autor eine Geschichte nicht packt,
wie soll sie dann den Leser anrühren?
Michael Borlik: Viele Leser sagen, dass der zweite Roman „Laura
und das Geheimnis der Sieben Monde“ sogar noch besser sei als der erste.
Woran, glauben Sie, liegt das? Sind es noch spannendere Abenteuer, noch größere
Gefahren, die Laura zu bestehen hat?
Peter Freund: Das hat sicherlich mehrere Gründe. Zum einen habe ich als
Autor natürlich dazu gelernt – und auch meine Heldin und die anderen
Charaktere immer besser kennen gelernt. Zudem musste ich beim zweiten Roman nicht
soviel Backstory erzählen, konnte bei den Lesern schon einige Kenntnisse
voraussetzen, sodass ich mir eine längere Exposition ersparen und gleich
richtig in die Abenteuer-Geschichte einsteigen konnte. Nicht zuletzt war es auch
mein Ehrgeiz als Autor, die Latte für Laura noch höher zu legen, ihr
also noch schwierigere Aufgaben und noch gefährlichere Gegenspieler zu geben,
wie ich auch die fantastische Welt von Aventerra noch weiter ausgebaut und sie
durch zusätzliche Geschöpfe und Wesen bevölkert habe, die im ersten
Band noch nicht vorkamen. Und natürlich versuche ich mich mit jedem der
weiteren Laura-Bände noch weiter zu steigern und die Geschichten noch aufregender
und spannender zu machen. Soweit ich das anhand der bereits geschriebenen Teile
von Band III beurteilen kann, bin ich recht zuversichtlich, dass mir das auch
gelingt.
Michael Borlik: Die Vielzahl fantastischer Bücher
wird vom Kampf zwischen Gut und Böse bestimmt. Laura Leander kämpft
in „Laura und das Geheimnis der Sieben Monde“ gegen den finsteren
Herrscher Fürst Borboron. Ist es ein typischer Kampf zwischen Licht und
Finsternis?
Peter Freund: Absolut! Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und
Finsternis, beschäftigt die Menschheit seit dem Beginn ihrer Existenz bis
zum heutigen Tage. In allen Mythen, Sagen und Legenden aller Völker, ganz
egal, an welcher Stelle unserer Erde sie beheimatet sein mögen, geht es
letztendlich um diese Auseinandersetzung. Die man natürlich auf unterschiedlichste
Art und Weise erzählen kann – als Krimi, Action-Thriller, Drama oder
auch als Melodram. Ich habe die Fantasy gewählt, weil in diesem Genre dieser
ewige Konflikt in seiner wohl archetypischsten Form abgehandelt werden kann.
Michael Borlik: Können Sie sich noch dran erinnern,
wie der Fürst Borboron entstanden ist?
Peter Freund: Dieser Schwarze Fürst Borboron geistert mir schon seit Langem
im Kopf rum. Schon in einem Fantasy-Drehbuch für RTL („Lenya, die
Kriegerin“) habe ich ihn in der Gestalt eines grausamen Fürsten zum „Leben
erweckt“, auch wenn er damals noch einen ganz anderen Namen trug und auch
nicht über die fantastischen Fähigkeiten verfügte, mit denen ich
ihn eigens für die Laura-Reihe ausgestattet habe. Borboron ist wohl der „schwärzeste“ Böse,
den ich je geschaffen habe – allerdings steht Syrin ihm ja kaum nach, oder?
-, und wird auch in den weiteren Bänden unserer Heldin das Leben verdammt
schwer machen. Und das ist auch gut so, denn wie es eine Journalistin einmal
so schön ausdrückte: die Laura-Romane sind eben kein Friede-Freude-Eierkuchen-Kinderkram,
sondern aufregende Geschichten, in denen verdammt viel auf dem Spiel steht.
Michael Borlik: Die Geschichten um Laura Leander sind
für eine fünfbändige Reihe ausgelegt. Wie entstand überhaupt
die Idee dazu?
Peter Freund: Ich habe es schon oft erzählen müssen: den eigentlichen
Kern für die Laura-Bücher bilden eine Reihe von Gutenachtgeschichten,
die ich vor vielen Jahren meinen Söhnen erzählt habe. Sie spielten
darin natürlich die Hauptrolle und mussten mit fantastischen Figuren (eine
davon war Knudu-Dudu, der Quarksenkönig) ins Erdinnere reisen und aufregende
Abenteuer bestehen, damit unsere Welt nicht auseinander bricht. Natürlich
waren das Kleinkinder-Geschichten, die ich nie aufgeschrieben habe. Eines Tages
kam dann Florian, mein jüngster Sohn, zu mir – er hatte gerade einen „Harry
Potter“ gelesen – und meinte, dass „unsere“ Geschichten, ähnlich
wie Harry Potter, doch auch in verschiedenen Welten spielten und mindestens genauso
spannend wären. Ob ich die alten Geschichten nicht weiterentwickeln und
daraus Romane für alle Alterstufen machen wolle? Das hat letztendlich den
Anstoß zur Laura gegeben, auch wenn deren Abenteuer nur noch wenig mit
den damaligen Kindergeschichten gemeinsam haben. Schließlich ist die Laura
ja auch älter – und nicht für kleine Kinder gedacht, sondern
für alle jungen und jung gebliebenen Leser zwischen 9 und 99 Jahren.
Michael Borlik: Oft wird Laura Leander mit Harry Potter
verglichen. Vielen Büchern geht es dieser Tage so. Wie denken Sie darüber?
Peter Freund: Natürlich war mir von Anfang an klar, dass dieser Vergleich
kommen würde, schließlich spricht die Laura das gleiche Lesepublikum
an wie Harry Potter. Obwohl - bei der Rowling ist eigenartigerweise niemand auf
die Idee gekommen, ihre Romane mit den vielen fantastischen Romanen zu vergleichen,
die insbesondere englische Autorinnen schon lange vor ihr geschrieben haben.
Soweit ich das beurteilen kann - ich kenne nur den ersten HP!-, gibt es zudem
außer der Tatsache, dass sowohl Harry als auch Laura ein Internat besuchen,
kaum noch Ähnlichkeiten zwischen den Laura und Harry-Romane – im zweiten
Band übrigens noch sehr viel weniger als im ersten! Aber sei`s drum: wer
Laura und Harry vergleichen möchte, der soll das ruhig tun. Und solange
der Vergleich derart positiv ausfällt – immer mehr Leser behaupten,
Laura sei viel spannender und aufregender als Harry Potter, wie man auf http://www.lauraleander.de nachlesen
kann -, und selbst eine offizielle Harry-Potter-Website die Laura als legitime
und sehr gelungene deutsche Ausgabe von Harry Potter bezeichnet, soll
mir das Recht sein.
Michael Borlik: Wie sind Sie zur Fantasie gekommen? Was
verbindet Sie mit diesem Genre?
Peter Freund: Wie schon mal erwähnt – in diesem Genre ist der ewige
Kampf zwischen Gut und Böse in seiner archetypischen Form darzustellen.
Was mich sehr gereizt hat, obwohl ich mich vorher eigentlich mehr für die
großen Mythen und Legenden (Nibelungen-Lied, Artus-Saga, Edda, etc) interessiert
habe als für Fantasy.
Michael Borlik: Haben Sie Lieblingsautoren bzw. Bücher?
Was macht diese für Sie so besonders?
Peter Freund: Da ich sehr viel lese, habe ich sehr viele Lieblingsautoren und –bücher.
Einige möchte ich dennoch hervorheben: Ernest Hemingway, dessen Kurzgeschichten
ich schon als Jugendlicher verschlungen habe und immer wieder mit ebenso großer
Begeisterung wie Bewunderung lese, weil sie mit so wenigen Worten so unendlich
viel ausdrücken. John Updike und John Irving – fast alles von den
beiden, weil die sehr weise, intelligent und witzig über das „wahre“ Leben
schreiben. Ken Follett, dessen „Säulen der Erde“ mir schlagartig
deutlich gemacht hat, wie man einen epischen Roman konzipiert. Stephen King,
dessen Fantasie schier grenzenlos ist, und Hennig Mankell, dessen Kommissar Wallander
das ganze Dilemma unserer Zeit in einem einzigen Satz zusammenfasst: „Unsere
Probleme haben begonnen, als wir aufgehört haben, unsere Strümpfe zu
stopfen.“ Auch wenn sich das wie ein Joke anhören mag – es lohnt
sich, darüber einmal gründlich nachzudenken!
Michael Borlik: Zum Abschluss des Interviews würde
ich Sie gerne fragen, welches Buch Sie gerade lesen?
Peter Freund: Ich lese immer mehrere Bücher parallel. Im Moment sind das: „Sakrileg“ von
Dan Brown (erscheint in „meinem“ Verlag, sodass ich ein Lese-Exemplar
ergattern konnte), „Das Buch, in dem die Welt verschwand“ von Wolfram
Fleischhauer (von ihm und mir stammen die nächsten beiden „Legenden
von Phantásien“, die am 15.März erscheinen), und „Mystic
River“ (in Englisch, weil ich soviel wie möglich im Original lese)
von David Lehane.
Michael Borlik: Lieber Herr Freund, vielen Dank für
dieses Interview. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Erfolg mit Ihren
Büchern!